Leitung: Ingo Ernst Reihl

Pjotr Iljitsch Tschaikowski                                 Symphonie Nr. 2 in c-Moll

(1840 – 1893)                                                          „Kleinrussische“

Pjotr Iljitsch Tschaikowski                                 Symphonie Nr. 3 in D-Dur

(1840 – 1893)                                                          „Polnische“

 

das junge orchester NRW (djo NRW) besteht bereits seit über 30 Jahren als unabhängiges Ensemble. SchülerInnen, Studierende und junge Berufstätige kommen mehrmals jährlich unter der Leitung des Orchestergründers und Universitätsmusikdirektors Ingo Ernst Reihl zusammen, um gemeinsam auf hohem Niveau zu musizieren.

Gleichberechtigtes Miteinander von Laien- und ProfimusikerInnen mit hohem künstlerischen Anspruch ist eines der Markenzeichen des Jungen Orchesters NRW. Zudem untersteht das Orchester keiner Institution. Es fühlt sich als freies Orchester dem Rhein-Ruhr-Gebiet verbunden und ist keiner einzelnen Stadt zugeordnet. Auf diese Weise bewahrt sich das junge orchester NRW umfassende künstlerische Freiheit, die durch das vielfältige ehrenamtliche Engagement der Mitglieder erst möglich wird.

Auch wenn Pjotr Tschaikowski damals nicht zu den „Petersburger Fünf“, den fünf größten rus­sischen Komponisten des 19. Jahrhunderts (Borodin, Balakirew, Cui, Mussorgski, Rimski-Korsakov) zählte, genossen seine Werke bereits zu Lebzeiten internationale Bekannt­heit.

Mit seiner zweiten Symphonie, der sogenannten „Kleinrussischen“ Symphonie, schaffte Tschaikowski es die Aufmerksamkeit der Künstlergemeinschaft zu gewinnen. Ihnen gefiel an Tschaikowskis Musik, dass sie ukrainische Volkslieder zitiert und diese hörbar von ukrainischen Melodien und Tänzen inspiriert wurde. In jedem Satz seiner viersätzigen Symphonie lässt der Komponist ein Volkslied einfließen, wie etwa im ersten Satz, in dem ein eklatantes Horn-Solo eine weit schwingende Melodie verströmt, die dem Volkslied Drunter bei der Mutter Wolga entnommen ist. Doch nicht nur Volksmusik beeinflusste die Musik seiner 2. Symphonie, auch der Einfluss von Beethovens musikalischem Vermächtnis ist deutlich zu erkennen. Der vierte Satz ist geprägt von der 3. Symphonie in Es-Dur „Eroica“ Beethovens, welcher in Russland und zu Tschaikowskis Lebzeiten kultisch verehrt wurde.

Die dritte Symphonie ist von den frühen Werken Tschaikowskis sicherlich die bekannteste und trägt den Beinamen „Polnische“. Sie wurde im Jahre 1875, kurz nach der Entstehung seines 1. Klavierkonzert und dem Ballett „Schwanensee“, während seines Aufenthalts auf dem Anwesen der Familie Schilowsky in Ussowo innerhalb von zwei Monaten komponiert. Tschaikowski widmete diese Symphonie sowie drei weitere seiner Kompositionen seinem Schüler Wladimir Schilowsky, zu dem er eine besondere Beziehung hatte.

Diese Symphonie ist die erste und einzige Symphonie Tschaikowskis, die in einer Dur-Tonart komponiert wurde und fünf, statt der üblichen vier, Sätze vorweist. Während die Außensätze zu polnischen Polonaisen-Rhythmen stolzieren, haben die Innensätze die Schwanensee-Bühne niemals verlassen. Obwohl diese Symphonie nach ihrer Uraufführung am 7. November 1875 in Moskau durch Nikolai Rubinstein durchaus hochgelobt wurde - der russische Kritiker Laroche nannte sie sogar "das größte musikalische Ereignis des Jahrzehnts" - wurde sie doch von den späteren Symphonien Tschaikowskis in der Folgezeit überstrahlt und wird heute nur noch selten aufgeführt.

1969 als Sohn einer Tänzerin und eines bil­denden Künstlers in Oberhausen geboren, erhielt Ingo Ernst Reihl früh Trompeten- und Kla­vierunterricht. 1985 bis 1988 studierte er Kom­position bei Prof. Wolfgang Hufschmidt an der Folkwang Universität der Künste in Essen und gründete in dieser Zeit das junge orchester NRW, das er noch heute musikalisch leitet.

Ingo Ernst Reihl wurde 1994 Stipendiat der Herbert von Karajan Stiftung und 1997 Stipendiat der Leonhard-Stinnes-Stiftung. 1999 ernannte ihn das Staatliche Kammer­orchester der Republik Belarus zu seinem Ehrendirigenten. Seit Oktober 2001 ist Ingo Ernst Reihl Honorarprofessor für Dirigieren an der Staatlichen Musikakademie Belarus. Zudem leitet er seit 2013 das Universitäts­orchester der Technischen Universität Dortmund und unterrichtet dort Dirigieren/Ensembleleitung.

Reihl gehört seit 2014 zum Dirigententeam der Penderecki-Akademie, dem Festivalor­chester von musik:landschaft westfalen. Im selben Jahr wurde er Honorarprofessor an der Universität Witten/Herdecke. Er gibt regelmäßig Dirigier-Meisterkurse an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo.

Seine Arbeit als Gastdirigent zahlreicher Ensembles führte ihn durch West- und Ost­europa und ist dokumentiert auf CD- sowie in Rundfunk- und Fernsehaufnahmen.


 

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